Musikschule Trossingen e.V

Musikschule und Musizieren – Raum und Traum für unsere Entfaltung

Wir sehnen uns nach Selbstverwirklichung und Entfaltung

Selbst verwirklichen können wir uns durch Aufrichtigkeit, Mut, Würde, Freunde, Anerkennung, Schönheit, Kooperation, Wissen, Freiheit, Kreativität, Gemeinsinn und Ehre. Um diese Tugenden und Reichtümer zu erreichen, brauchen wir Könnerschaft, Menschenfreundlichkeit und Hingabe.

Könnerschaft heißt, dass man alles, was man im privaten und beruflichen Leben tut, auf dem höchstmöglichen Niveau tut. »Tun Sie das, was Sie tun, so gut, dass andere kommen, um Ihnen dabei zuzusehen.« (Walt Disney)

Menschenfreundlichkeit heißt, sich mit anderen auf persönlicher wie beruflicher Ebene so gut zu verstehen, dass sie aktiv den Kontakt zueinander suchen. Zu den Eckpfeilern der Menschenfreundlichkeit gehört, die Wahrheit zu sagen und Versprechen zu halten, nur das führt zu Vertrauen zu sich selbst und zu dem der anderen.

Hingabe heißt, den Bedürfnissen anderer mit Respekt zu begegnen und eine Leidenschaft dafür zu entwickeln, ihnen nachzukommen. Sich einer Aufgabe hingeben bedeutet, sich ein Stück selbst zu verlieren. Dies befreit vom ständigen Kreisen um sich selbst. Das uneigennützige Tun ist dem hingebungsvollen Tun verwandt. 

Nur hingebungsvolles Musizieren ist beseeltes Musizieren.

 

Die Wege zur Könnerschaft, Menschenfreundlichkeit und Hingabe

Könnerschaft erlangen wir durch Lernen.

Das Wörterbuch definiert führen als »jemanden den Weg irgendwohin zeigen« und lehren als »zeigen, wie man etwas macht«. Daher ist führen gleich lehren, deswegen zeigen Lehrer ihren Schülern, wie man lernt. Der Wert heißt lernen und nicht dressieren: Dressieren ist etwas für Hunde – Lernen ist eine Haltung. Will man Könnerschaft erlangen, muss man von Könnern lernen. Könnerschaft ist nie vollkommen, so wie es auch kein vollkommenes Wissen und keine vollkommene Weisheit gibt. Wissen und Weisheit sind immer unvollständig, und daher ist unablässiges Lernen – lebenslanges Lernen – unverzichtbar, wenn dauerhafte Könnerschaft in allen Bereichen erreicht werden soll. 

Musizieren ist lebenslanges Lernen.

Menschenfreundlichkeit hängt vom Einfühlungsvermögen ab.
Es gilt, sich ständig in die Lage des anderen zu versetzen und sich so zu verhalten, dass man zu einem Menschen wird, den wir, wenn die Rollen vertauscht wären, selbst gern zum Freund hätten. 
Musizieren ohne Einfühlungsvermögen ist ein Widerspruch in sich.
Hingabe wird gefördert durch Zuhören.
Wenn wir wahrhaft zuhören sollen, müssen wir unser »inneres Geplapper« abstellen und dem anderen ernsthaft und unvoreingenommen Gehör schenken. Sich einlassen auf seinen Gegenüber. Bedingungslos und aufmerksam. 

Musizieren lernt man nur durch Zuhören.

 

Unsere Verantwortung für unsere Entfaltung und die unserer Kinder

Amerikanische Studien belegen, dass noch 97 Prozent der amerikanischen Kindergartenkinder kreativ denken. Nur bei 3 Prozent der Kinder ist das Denken bereits angepasst und strukturiert.

Wenn die Schüler ihren Abschluss an der High School machen, hat sich diese Verteilung bereits verschoben: 46 Prozent denken kreativ, während 54 Prozent eine rigidere, strukturierte Denkweise bevorzugen. Dieser Verlust an Individualität, Leidenschaft und Kreativität vollendet sich am Arbeitsplatz: 
Mit dreißig Jahren genießen nur noch 3 Prozent der Menschen Freiheit, sich an ganzheitlichen und originellen Gedankengängen zu erfreuen, während 97 Prozent ihr Denken an einer Struktur ausrichten, die nach Orthodoxie und gesellschaftlicher Korrektheit aussiebt – es kommt zum »Gruppendenken«.

Erziehung bedeutet, bewusst und reflektierend miteinander leben und wachsen, Kinder einfühlend begleiten, Entfaltung ermöglichen, zu fordern und zu begrenzen, zu bestärken und zu ermutigen, vor allem grundsätzlich akzeptieren und lieben. Das ist die beste Erziehung. Besser: Beziehung.

Musizieren ist von seinem Wesen her eine Tätigkeit, die den ganzen Menschen umfasst und in seiner Emotionalität, seiner Intellektualität, seiner Motorik, seiner Selbstwahrnehmung und Sensibilität sein Leben lang herausfordert.

(Lance Secretan/Achim Robold)

 

Kinder brauchen Musik!

Die ersten sechs Lebensjahre sind für die Entwicklung eines Kindes von entscheidender Bedeutung. Zahlreiche Studien auf dem Sektor Hirn-  und Lernforschung belegen die Relevanz der frühen Lebensphase für die individuellen Möglichkeiten im späteren Leben.

Von zentraler Bedeutung für die Entwicklung ist die Empfindungs- und Ausdrucksfähigkeit, die durch vielfältige musikalische Anregungen beim gemeinsamen Musikhören, Singen, Tanzen und Musizieren gefördert wird. Sinnliche Wahrnehmung und psychische Widerstandskraft erhalten hier ihr Fundament.

Für das Kulturwesen Mensch stellt die Musik ein unverzichtbares Medium ästhetischer Weltbegegnung und Selbstvergewisserung dar.

Beim Umgang mit Musik entstehen unmittelbar Lernanlässe auf den Gebieten der Motorik, des Spracherwerbs und des Sozialverhaltens. Die hierbei erworbenen Kompetenzen können vor dem Hintergrund einer stark von Migration und Segregationstendenzen geprägten Gesellschaft zur Integration beitragen.

Diese grundlegenden Erkenntnisse finden zunehmend auch in den Bildungs- und Erziehungsplänen der Bundesländer Beachtung.

 

Bildungspartner Musikschule

Mit altersgerechten und entwicklungspsychologisch fundierten Unterrichtsangeboten begleiten Musikschulen Kinder in diesem wichtigen Lebensabschnitt und unterstützen so das aktive Singen und Musizieren in Familie, Kindergarten, Vorschule und Grundschule.

Im Mittelpunkt steht dabei, Freude am gemeinschaftlichen Musikerleben und Musizieren in der Gruppe zu vermitteln und damit die Grundlage für eine lebenslange Beschäftigung mit Musik zu legen. Gerade Musizieren als Gemeinschaftserlebnis unterstützt die Entwicklung sozialer Kompetenz und entfaltet integrative Wirkung.

(aus dem Bildungsplan des VdM »Musikalische Bildung von Anfang an«)

 

»Omnia sponte fluant, absit violentia rebus«

»Omnia sponte fluant, absit violentia rebus« (Johann A. Comenius, 1592 - 1670) – »Alles fließe aus eigenem Antrieb, Gewalt sei fern den Dingen« soll Grundlage unserer pädagogischen Haltung gegenüber unseren Schülerinnen und Schülern und unseres Umgangs miteinander sein.

Comenius ist der Begründer der Didaktik sowie der Mathetik, die sich wechselseitig ergänzen. Er entwickelte die erste systematisch aufgebaute Didaktik der Neuzeit. Sein pädagogisches Weltbild ist aktueller denn je und für uns Auftrag, Herausforderung und Grundlage.  

Im Mittelpunkt bei Comenius steht eine christlich-humanistische Lebensgestaltung. Ein philosophischer Grundsatz seiner Pädagogik lautet: »omnes omnia omnino excoli« (lat.), das heißt: »Alle alles ganz zu lehren«, oder »Alle alles in Rücksicht auf das Ganze zu lehren« [Didactica magna, caput XI, Sp.49]. 

Comenius forderte nicht nur zwangsfreien Unterricht, sondern er lehnte Zwang in jeder Hinsicht ab. Das zeigt das Motto auf der Titelseite seines Orbis sensualium pictus: »Omnia sponte fluant, absit violentia rebus« (lat.) das heißt: »Alles fließe aus eigenem Antrieb, Gewalt sei fern den Dingen«. Comenius sah Bildung der heranwachsenden Menschen zur Weisheit als den rettenden Weg, auf dem die Menschheit aus ihren verderblichen Irrtümern zurückfinde zu der Ordnung der Welt, wie Gott sie vorgesehen habe.

Als Lernprinzipien stellte er Lernen durch Tun, Anschauung vor sprachlicher Vermittlung, Muttersprache vor Fremdsprache, Beispiel (Vorbild) vor Worten.

In seinen didaktischen Werken forderte Comenius eine allgemeine Reform des Schulwesens mit einer Schulpflicht für Jungen und Mädchen aller Stände mit einer einheitlichen Schulausbildung bis zum 12. Lebensjahr, danach sollten die praktisch begabten eine Lehre, die anderen weitere Schulbildung auf der Lateinschule, ab 18 bis 24 an der Universität absolvieren. Revolutionär waren seine Forderungen nach Bildung sowohl für Jungen als auch für Mädchen, Anschaulichkeit und Strukturiertheit des Unterrichts, Bezug des Unterrichts zum Alltag und vieles mehr. Viele dieser Prinzipien sind auch heute ein Bestandteil des Bildungssystems. 

Comenius kann als der große Pädagoge des 17. Jahrhunderts angesehen werden. Comenius war der Erste, der die Pädagogik vom Kind her entwarf. Seine Forderung nach einer grundlegenden, das Wesentliche umfassenden Allgemeinbildung für alle, nach bildungspolitischer Chancengleichheit für Mädchen, sozial Schwache und geistig Zurückgebliebene, die Prinzipien der Anschauung und der Selbstständigkeit, der Erziehung zum Gebrauch der eigenen Vernunft, seine Vorstellung einer lebensnahen freundlichen Schule und einer gewaltfreien Erziehung sind bis heute gültig geblieben, ebenso seine Erziehungsziele, die Erziehung des Menschen zur Menschlichkeit und die dadurch entstehende Weltverbesserung.